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Erfahrungsbericht über die Haltung von chinesischen Zwergwachteln

Autor: Werner Krieger

Hallo alle

Ich halte meine Wachteln in einer Voliere mit den Grundmassen ca. 2,5 m x 2,00 m, in der sich noch meine Zeres und 2 Paare Kanarien befinden. Zeitweise auch einige Zebrafinken.

Die Wachteln haben somit eine ziemlich große Fläche, die sie bewohnen können. Einige Grasbüschel geben Ihnen Unterschlupf. Allerdings suchen sie diesen sehr selten auf. Wahrscheinlich sehen sie keine Notwendigkeit, sich zu verstecken. Auch legen sie ihre Nester meistens nicht unter Grasbüscheln an, sondern fast immer in einer vollkommen einsichtigen Ecke der Voliere.

Zwergwachteln züchten sehr gut, wenn man einige grundsätzliche Voraussetzungen schaffen kann.
Ich möchte diese Voraussetzungen mal genauer beschreiben.

1) Haltung und Unterbringung
Nur paarweise Haltung entspricht einer natur- und artgerechten Haltung.
Zwergwachteln haben eine enge Paarbindung. Zwar sind es Hühnervögel und haben somit einige Ähnlichkeiten mit unseren Haushühnern. Dies darf uns aber nicht dazu verleiten, sie in jeder Beziehung mit Haushühnern zu vergleichen. Eine Haltung mit einem Hahn und mehreren Hühnern ist somit nicht artgerecht und Zuchterfolge werden kaum eintreten und die Vögel werden unter großen Stress stehen! Also bitte unbedingt darauf achten, dass man sie paarweise hält.
Hähne und auch Hennen können sehr angriffslustig gegen jeden Eindringling sein, besonders zur Brutzeit. Also auch Hennen können Hähne verjagen oder auch Hennen und Hähne können Hähne oder auch Hennen verjagen. Nur wenn wirklich sehr viel Platz zur Verfügung steht, kann mal ausnahmsweise ein zweites Paar geduldet werden. Dies wird eher dann möglich sein, wenn sich die Tiere schon vor der Brutzeit kennen oder noch besser, wenn sie gemeinsam aufgewachsen sind. Genaue Beobachtung ist jedoch notwendig und wenn man Kämpfe beobachtet, muss man sofort die beiden Paare trennen.

2) Der ausreichende Platz
Zwar überleben Zwergwachteln auch in einem kleinen Käfig, aber glücklich sind sie darin nicht. An einen Zuchterfolg wird man in einem kleinen Käfig kaum denken können. Darüber hinaus kommt das reizende Wesen und ihr ausgeprägter Familiensinn erst in einem größeren Käfig voll zur Auswirkung.
Das Mindestmaß nach meiner Meinung ist ein 1 m langer Käfig. Die Höhe ist nicht so wichtig, denn Wachteln leben ja ausschließlich auf dem Boden.
In der Literatur wird oft darauf hingewiesen, dass man eine weiche Decke geben soll, weil Wachteln stürmisch hoch fliegen, wenn sie erschreckt werden. Dies kann ich eigentlich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Sicherlich, wenn sie sehr erschreckt werden, können sie stürmisch senkrecht nach oben fliegen. Jedoch werden Zwergwachteln sehr zahm und unter normalen Umständen wird es kaum vorkommen, dass sie so erschrecken, dass sie davon stürmen wollen.
Die ideale Unterbringung ist sicher eine Voliere, die zusätzlich mit anderen Vögeln besetzt ist. Die Wachteln sind sehr friedlich und tun keinem Vogel etwas zuleide. Einmal fiel ein junger Zebrafink versehentlich aus dem Nest und suchte Zuflucht im Nest der am Boden brütenden Wachtelhenne. Er wurde dort geduldet und saß noch tagelang bei den Wachteln. Die Zebraeltern fütterten ihn weiterhin am Boden und im Wachtelnest! Inzwischen waren dann Junge bei den Wachteln geschlüpft und der kleine Zebrafink schlief dann auch nachts zwischen den jungen Zwergwachteln. Ein ganz ungewöhnlicher Anblick! Leider habe ich versäumt, dieses herrliche Bild fotografisch festzuhalten.
Zwergwachteln müssen frostfrei untergebracht werden. Leichte Fröste mögen sie zwar aushalten, aber ich würde sie hier nicht allzu sehr abzuhärten versuchen. Bei uns gibt es keinen Frost und somit können sie bei mir ganzjährig im Freien sein.
Falls man Erde oder Rinde als Einstreu verwendet, sollte man In einer Ecke etwas Sand oder feine Erde einbringen, weil die Wachteln wie die großen Hühner, gelegentlich auch mal ein Sandbad nehmen.

3) Ernährung
Im Prinzip sind sie einfach zu halten. Als Grundfutter gibt man das käufliche Exotenfutter. Sehr gerne nehmen sie Grünfutter auf. Wenn man größere Salatblätter auf den Boden legt, können sie davon Stückchen abreißen. Man kann ihnen aber auch helfen und kleine Stückchen abreißen oder abschneiden und ihnen diese schnabelgerecht anbieten. Lebendfutter nehmen sie sehr gerne. Gelegentlich gebe ich frische Gartenerde in die Voliere und die Wachteln suchen dann fleißig nach Hühnerart dort versteckte Insekten oder Würmer. Auch an Eifutter kann man sie sehr leicht gewöhnen. Ich würde dies dringend empfehlen, wenn kein Lebendfutter gegeben werden kann. Insbesondere vor und während der Brutzeit ist die Abwechslung wichtig. Dass Wasser immer zur Verfügung sein muss, ist selbstverständlich. Ebenso Grit oder zerriebene Eierschalen, die man jedoch immer wegen der möglichen Krankheitserreger abkochen sollte. Wenn man Junge hat, sollte man darauf achten, dass sie das Wasserschälchen auch erreichen können. Also einen flachen Napf oder Schale benutzen. Ich lege auch immer einen flachen Stein in die Schale, damit ein Küken, falls es ins Wasser hineinsteigt oder hinfällt, mit Hilfe dieses flachen Steins wieder aus der Schale herausklettern kann. Dass man den kleinen Küken das Futter besser auf den Boden streut oder in einem ganz flachen Gefäß anbietet und nicht in einen Napf gibt, den sie nicht erreichen können, sollte jedem Züchter ohnehin klar sein!

4) Zucht
Leider war es früher sehr verbreitet, dass man Zwergwachteln künstlich im Brutkasten ausbrütete. Auch in ihrem Ursprungsland China war es (ist es sicherlich noch immer!) diese Haltung verbreitet, denn man hielt diese Vögel hauptsächlich wegen der Eier, die eine Delikatesse waren und teuer bezahlt wurden. Vögel aus solchen Beständen brüten sehr selten oder fast nie. Sie legen haufenweise Eier, brüten aber nicht. In China wurden diese Vögel sogar in kleinen Käfigen gehalten, vergleichbar mit der Batteriehaltung der Hühner. Bei solcher Haltung wurde den Vögeln das natürliche Brutverhalten abgezüchtet. Auch die in Europa mit der Brutmaschine aufgezogenen Wachteln haben den Brutinstinkt weitgehend verloren. Wichtig ist also, dass man sich Tiere anschafft, die aus einer Naturbrut stammen. Wenn dies tut, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit brüten. Obige Punkt natürlich vorausgesetzt.
Es kann allerdings vorkommen, dass die Hennen erst mal eine Menge Eier legen, ohne sie zu bebrüten. Ich lasse ihnen diese Eier, bis sie dann endlich doch anfangen, darauf zu sitzen. Erst dann nehme ich die überzähligen Eier weg (ich lasse meistens nicht mehr als 8 Eier zur Bebrütung) und die Henne brütet dann sehr zuverlässig. Ich nehme sogar an, dass der Bruttrieb erst dann eintritt, wenn wirklich eine große Anzahl Eier gelegt wurde. Nimmt man ihnen die Eier weg oder lässt nur 5-6 Eier im Nest, bevor die Henne mit dem Brüten begonnen hat, wird die Henne nur noch mehr zum Legen animiert und nicht zum Brüten. Es kommt bei mir vor, dass bis zu 20 Eier gelegt werden, oft an verschiedenen Stellen und man könnte schon meinen, da wird niemals was draus. Und Plötzlich entscheidet sich die Henne doch für einen bestimmten Platz, baut ein wenig am Nest herum (ich lege immer etwas trockenes Gras in die Ecken, damit die Henne ein Nest formen kann) und schon läuft alles wie am Schnürchen! Also bitte nicht laufend die Eier wegnehmen, sondern geduldig warten, bis die Henne zum Brüten bereit ist. Ich glaube sogar, dass sich viele Misserfolge in der Brut auf diesen Umstand zurückführen lassen. Denn oft hört man von Züchtern, dass die Hennen nur Eier legen und nicht brüten. Ich nehme an, dass man ihnen in diesen Fällen die Eier immerzu weggenommen hat.
Übrigens wird auch bei Haushühnern der Bruttrieb sehr oft dann ausgelöst, wenn die Nester sehr voll von Eiern sind.
Zur Aufzucht muss man unbedingt entweder ausreichend Lebendfutter oder Eifutter geben. Auch Keimfutter ist sehr hilfreich und wird gerne genommen. Grünfutter muss für die Kleinen sehr fein zerschnitten werden, da es sonst nicht verschluckt werden kann. Die Wachteln können nicht von einem Blatt abbeißen und die Küken sind noch nicht stark genug, um sich etwas von einem Blatt abzureißen, wie das die Alttiere tun.
Die Wachteln brüten bei mir so gut und oft, dass ich meistens nur 1 Zuchtpaar behalte, weil ich sonst nicht mehr weis, wohin mit dem reichlichen Nachwuchs. Zwergwachteln sind übrigens ungewöhnlich schnellwüchsig und bei guter Fütterung in 3 Monaten vollkommen ausgewachsen und mit 4-5 Monaten brüten sie bereits selbst wieder.

5) Sozialverhalten
Zwergwachteln sind Familientiere! Das Paar hält gut zusammen. Raufereien oder sonstige Probleme mit dem Jagen der Henne, wie es hier von einem Mitglied beschrieben wurde, habe ich noch nie erlebt. Wenn die obigen Punkten eingehalten werde, wird dies auch nicht vorkommen.
Der Hahn kümmert sich auch sehr liebevoll um die Jungen. Die Küken folgen auch dem Hahn und schlüpfen bei ihm unter. Oft findet man mehr Küken unter dem Hahn als unter der Henne! Kurz vor dem Schlupf der Küken hält sich der Hahn auch viel zusammen mit der Henne im oder am Nest auf. Ich weis dann immer, dass spätestens am nächsten Tag die Küken da sein werden.
Da die Zwergwachteln so schnellwüchsig sind, müssen sie spätestens im Alter von 3 Monaten von den Eltern getrennt werden. Man kann die Geschwister dann noch eine Weile zusammen unterbringen, aber spätestens beim Erwachen des Geschlechtstriebes muss man sie dann paarweise unterbringen oder verkaufen/verschenken.

Zwergwachteln sind sehr reizende und liebenswürdige Vögel, wenn sie richtig gehalten werden. Sie werden sehr zahm, wenn man sich etwas mit ihnen beschäftigt. Sie nehmen bei mir oft das Futter aus der Hand an, besonders Grünfutter oder das Eifutter, das sie sehr lieben. Wenn ich die Voliere betrete, kommen sie sofort heran und warten auf den Leckerbissen. Man muss dann aufpassen, dass man sie nicht zertritt, weil sie keinerlei Angst zeigen. Wenn ich den Futternapf in die Voliere stellen will, muss oft einen der Wachteln mit der Hand auf die Seite schieben, weil sie überhaupt keine Scheu zeigen. Ich möchte nicht mehr meine lieben kleinen Freunde missen.
Eine Wachtel alleine zu halten, ist Tierquälerei! Sie rufen dann ständig nach ihrem Gefährten, was ihnen
den Ruf einbrachte, dass sie laut seien! Das kommt niemals vor, wenn sie paarweise gehalten werden!

Ich hoffe, dass ich einigen Mitglieder Anregungen geben konnte und sie sich für die Haltung dieser putzigen kleinen Hühnervögel entschließen können. Wenn man einen Käfig von 1 m Länge aufstellen kann, sind sie auch ideale Vögel für eine Mietswohnung. Um zu vermeiden, dass zu viel Schmutz aus dem Käfig herausfällt, empfehle ich, die Seiten etwa 10 bis 20 cm hoch mit einem Brettchen oder auch einer Glasscheibe zu erhöhen (notfalls tuts auch ein Karton) bzw. einzurahmen. Da sie niemals im Wasser baden, wird auch die Einstreu immer trocken sein und die Reinigung ist nicht allzu schwierig.